Montag, 13. März 2017

#juleimlanddertausendhügel – All good things (come to an end) // come in threes

„Four birds on her wrist, swallows from the look of it. She is a bit of a bird herself. Her voice has a quality…some way of sounding clearly even in a noisy train carriage. I think she could sing if she wanted and her voice would soar like a bird.” – Alexander Ikawah


„Das hier ist das, was ich will. Reisen. Frei sein. Entdecken und erleben. Erstaunt sein und beeindruckt werden, von Landschaften und Natur, von Menschen und vom simplen Leben. Mehr brauche ich nicht.“


“I see that you like to talk, but it’s just bubble talking. You talk, but you don’t see, you don’t listen. You use all these words just to create a space for you, to fulfill the silence and to push others back.”


„Wieso nur tue ich mir das hier an? Quäle mich diesen Berg, Vulkan, nach oben, spüre die Schreie meiner Oberschenkel und bekomme einen knallroten Kopf. Anstrengung und Luftmangel. Und er kraxelt vor mir diesen steinigen Weg nach oben als mache er einen Spaziergang. Weit vor mir. Aber auch bei diesem Weg ist die Mühe nicht umsonst, wie auch auf meinem Weg: Weiter, immer weiter, nicht zurückschauen und bloß nicht aufgeben. Oben lohnt sich die Aussicht.“


“What about the unspoken words? The ones that gather in your heart and wander on your face? They are engraved in your gestures, so why don’t you just spit them out? People deserve these chunks of truth. I deserve them. Even if I’m able to read between the lines.“


 „Die Oberflächlichkeit dieser belanglosen Gespräche wird erdrückend. Ich muss raus, muss was für mich machen, für mich allein. Begebe mich also in das Menschengewimmel dieser riesigen afrikanischen Stadt, suche vergeblich nach dem richtigen Bus, fahre falsch und frage nach und finde mich schließlich in dieser winzigen Galerie wieder, die mich aufnimmt und mich eintauchen lässt in Farben und Pinselstriche, die mir erklärt wird von diesem Jungen, der noch so viele Träume hat.“


”There are no mistakes in life and art, only results you didn’t expect.“ – Yony Wai-te


„Eigentlich mag ich keine Menschenmassen. Gerade finde ich diese aber unglaublich mitreißend, eine vibrierende Stadt voller Charakter und Kontraste. Zum ersten Mal gehe ich unter in Afrika, werde trotz meiner Hautfarbe nicht wahrgenommen, bin einfach Teil davon und genieße es unglaublich.“


„Wie sehr ich doch Entscheidungen verabscheue. Wieso auch hatte ich diese Idee, vermutlich wirklich die größte Schnapsidee, die ich je hatte. So viel Geld, nur, um uns mehr Zeit zu verschaffen, um einen Abschied hinauszuzögern, der eh kommen wird? Nur um noch drei weitere Seiten an ein Kapitel anhängen zu können, das eh enden wird?“


„Und wenn schon. Ich mach‘ das einfach. Er hat mir ja auch geraten, meinem Herzen zu folgen. Und wenn es mich in eine Mauer rennen lässt? Dann würde ich wenigstens aus meinen täglichen Tagträumen aufwachen und eventuell in der Realität ankommen. Wobei. Da bräuchte ich wohl schon einen sehr harten Aufprall.“


„Da treffen einfach total zufällig zwei Menschen aufeinander, verbringen ein wenig Zeit miteinander, reden und teilen ganz viel. Und es fühlt sich an, als hätte ich einen Seelenverwandten gefunden, ganz sicher einen Freund. Total seltsam, dass alles durch die Distanz noch vertrauter wird, seltsam schön. Auf jeden Fall jemand Besonderes, den ich nicht mehr missen möchte.“


„Das war definitiv der schwierigste und lehrreichste Teil meiner Reise. Umgeben zu sein von so wahnsinnig vielen, wahnsinnig talentierten Menschen war einschüchternd, hat mich eingeschüchtert, gelähmt, blockiert, gehemmt. So habe ich mich noch nie erlebt. Auf einmal war ich schüchtern, verunsichert, still und voller Zweifel an mir, meinem Können und meinen Stärken. Diesen Zustand zu überwinden hat mich enorm viel Kraft gekostet, schlimmer fast als diese Vulkanbesteigung. Meine Grenzen aber habe ich noch nicht erreicht. Das Ende dieser Reise auch nicht.”


„This journey is also a journey to myself. To see things that I have never seen before and to meet people who are so inspiring that I have a million of ideas in my head the second I talk to them. To see how simple life can be and how beautiful. To experience that the beauty sometimes only lies within smiles and conversations and that pure happiness cannot be bought in any supermarket. I found it on the street, in the nature, in your arms and in my heart.”


„Auf dieser Fahrt hat mich nichts mehr beschäftigt als die Hitze, die unbequemen Sitze und die viel zu seltenen Klopausen. Mir muss es wohl ziemlich gut gehen.“


“They said it’s dangerous. But I feel more confident than ever. Is it risky to just trust in life?”

                        © Jacques Nkinzingabo

„Wie mich diese Unpünktlich- und Unzuverlässigkeit manchmal aufregt. Und diese Willkürlichkeit. Mich anzuschreien und zu brüllen: ‚You are against the law!‘, nur um Macht zu demonstrieren. Den fünffachen Preis zu verlangen, nur weil ich weiß bin. In solchen Momenten freue ich mich auf mein Herkunftsland.“


„Wie viel ich trotzdem vermissen werde. Simple Dinge, wie Menschen auf der Straße, zu jeder Tages-und Nachtzeit. Obst und Schuhe zum Verkauf am Straßenrand, bunte Stände, die vor Plastikwaren überlaufen, den verlockenden, gleichzeitig beißenden Geruch von Frittiertem, die gleißende Hitze, die sintflutartigen Regenfälle. Die Freude am Leben, die einem ungefragt mitgeteilt wird, die vielen oberflächlichen Gespräche zwischen Bus und Straße.“


„Habe ich mich wirklich so sehr verändert wie er sagt? Egal, ob das jetzt positiv ist oder nicht, ich nehme das Leben leichter. Immer noch nicht leicht genug, aber leicht genug, um immer abspringen zu können, zu leicht vielleicht, um mich festlegen zu müssen und verletzt werden zu können?“


„Beruhigend, dass ich bei all den Veränderungen noch genauso orientierungslos und genauso tollpatschig bin wie früher.“


„Wie beweglich ist Identität, wie beständig Veränderung?“


“It happened again, my phone got stolen. It was our last night, I was dancing, too careless, maybe. But in these moments of searching and supporting, of anger and frustration, I recognized that I am not alone. That I found friends who help me, who are with me and who want me to laugh. So I did. I dismissed the thought of having lost all my pictures and contacts and kept on drinking and dancing with the contacts that were not saved on my phone, but in my heart. It was our last night, but one of the best nights we’ve had here, a night full of love and laughter.”


“I’ve never argued so much with someone. I’ve never cared so much about someone.”


“Bin ich es, die alles kompliziert macht? Oder ist es einfach nur eine Tatsache, dass es kompliziert ist? (…) Ich glaube nicht, dass ich es fühle. Oder dass mir dieses Gefühl genug Sicherheit gibt. Vermutlich habe ich einfach nur Angst, Angst vor dem Abschied, vor dem Ende. Vor der Wahrheit. (…) Ist das nur ein Kapitel?“


« Ce n’est pas une histoire sur la guerre. C’est une histoire sur un paradis perdu. » - Gaël Faye


 ”These moments when you see two butterflies drawing circles above your head and you can completely identify with them.”


« Parler de soi-même, c’est aussi parler de l’univers. » Gaël Faye


„Ich denke, dass wir aufhören müssen, einander verändern zu wollen. Akzeptanz und Toleranz, das sind die Stichwörter. Es funktioniert nicht, dir meine Denkweise aufzudrücken und du wirst mich nie dazu bringen, friedfertig, leise, ausgeglichen und geduldig zu sein. Das bin ich nicht, aber vielleicht bin ich lernfähig.“


”Maybe this is the solution for us, the solution for so many of us, for this whole life: tolerance and acceptance. If we continue wishing and wanting to change each other, we will never move forward. We will stay stuck in our small world with our rigid visions and inflexible stereotypes, keeping a grey version of ourselves. But if we decide to appreciate other peoples’ talents and flaws, we will also accept the ones we have. If we decide to accept our diversity, we will grow and color our minds with the most beautiful colors one has ever seen. Let’s build bridges with the rainbows we’ve created within ourselves and let’s mix colors which are said not to be matched. Let’s create artworks out of our relationships and your life will be like sparkling fireworks.”


„Dieser Moment, wenn es aus heiterem – oder eher bewölktem – Himmel anfängt zu regnen, zu schütten, als ob es kein Morgen und morgen kein Wasser mehr gebe. Dieser Moment, wenn auch mein Regenschirm seinen Job aufgibt und mich im Regen stehen lässt. Dieser Moment, wenn mich zwei Sicherheitsfrauen in ihr winziges Wachhäuschen winken und mir nicht nur einen trockenen Unterschlupf, sondern auch ihre Freundschaft anbieten.“


„Mit Wehmut schwinge ich mich auf’s Moto, sehe diese Stadt an mir vorbeiziehen, Hügel, grüne Landschaft, Hausdächer, so weit das Auge reicht. Höre Busse und andere Motos unsinnig hupen – dieses Verkehrssystem werde ich wohl nie durchschauen – und sehe Autos haarscharf an meinem Bein vorbeiziehen. Rieche Mangos und Abgase, schmecke Sonne und Regen und kann es kaum erwarten, ihn wiederzusehen.“


„Der Himmel verdunkelt sich und sogleich hellt sich meine Stimmung auf. Regenzeit. Kaum habe ich denn Gedanken zu Ende gedacht, höre ich auch schon die ersten Tropfen auf die Blechdächer prasseln. Immer schneller, immer lauter, wie Trommeln, die einen hektischen Rhythmus spielen, der fast schon beruhigend, wenn nicht hypnotisierend wirkt. Gut, dass ich im Haus bin und nicht mehr raus muss. Gut, dass er bei mir ist, wir quasi eingesperrt sind, festsitzen. Diese Nähe wird fast erdrückend, dicht irgendwie, greifbar.“


„We don’t need to have the same color, we don’t need to speak the same language, we don’t need to have the same opinions and dreams to truly love each other.“


„So einfach war das. Ich ziehe mich aus, um der Kunst willen und behalte dennoch meine Prinzipien, meinetwillen.“


„Noch nie habe ich mich so sehr weg, so sehr zurück gewünscht. Sehnsucht bekommt eine neue Bedeutung, wird die allgemein zutreffende Definition für meinen Zustand, meine Stimmung, mich. Ich bin voll von Sehnsucht, ich bin Sehnsucht. Ich sehne mich nach dir, suche dich im Traum und bin auf Entzug.“


„Wo ist die Leichtigkeit? Jede meiner Bewegung fühlt sich schwerfällig an und auch meine Gedanken scheinen nicht hinterherzukommen, als würden sie sich sträuben zu realisieren.“


„Vielleicht habe ich meinem Herzen zu viel zugemutet, vielleicht war das Stück, das ich dort gelassen habe, ein wenig zu groß.“


„Sie sagt es und muss sich selbst mit ihren Worten überzeugen: Liebe ist schön und wunderbar, egal wo, egal wann und egal mit wem.“


„I will just keep on trying what I have been trying to do until now. To trust unconditionally, to not being afraid of getting hurt, to take things easy which is not easy. This is a process, we are in process.” 


Yule 

Montag, 23. Januar 2017

The Fight

What do you fight for? Do you fight for your rights, for yourself? Do you stand up for someone, for yourself? Where are your arms, what is your weapon?

He is sitting there, in the corner, defenseless. Peaceful in his mind and in his heart. Ignoring the fact, that people insult, people judge, people hate. People hate other people and they hate themselves. They hate themselves for hating other people and hate themselves for hating themselves. But he, he is just there, still in love with the world and the people. Still swallowing, swallowing huge chunks of words, insults, hatred and envy. When will he stand up?

She is standing there, in the middle of the crowd, armed and shielded. In fight position and belligerent, in her mind and in her heart. Ignoring the fact that people are passionate, people are vulnerable, people love. People love things and money and other people. Do they love themselves? Does she fight because she loves herself? Does she fight with love? She is standing there, ready to jump and to defend herself. This is her arena, this is her body, this is her life. Whoever wants to cross her space, to invade her arena, to limit her freedom, she will fight.

What do you fight for? Do you fight for your rights, for yourself? Do you stand up for someone, for yourself? Where are your arms, what is your weapon?

We are here, together, holding each other’s hand. We are hippies with guns. Our weapon is the sun, we fight with love and our smile. We are hippies with guns, we use flowers to break and seeds to shoot. We use our beauty to make you realize your abyss and your flaws. Our poison is the love you don’t have. Our poison is the emotion that you don’t feel. Our love is stronger than your hatred can ever be, because it’s all-embracing. It’s like the air you breathe and the water you drink. It’s our poison that will suffocate and drown you, beaten down by love.


Let us fight for love. Let us fight for our rights. Let us fight for the right to love ourselves unconditionally, let us cross borders with our smile and build bridges with our flaws. Let the sunshine lighten them like dark wood in the blazing heat and let our words be the paintbrush for the artworks of our relationships. Shout and scream, make noise and color all the dark souls surrounding you. Be your own summer in winter, be someone’s flower in a frosted field. Fight with the love you have for yourself and the world. Make this world a warmer one. 



Yule

Inspired by
https://www.youtube.com/watch?v=aRsOMRVMj7Y

Dienstag, 6. Dezember 2016

Mach dich nackt.



Mach dich nackt, mach dich verletzlich. Entblöße dich, zeig Haut, zeig Herz. Vertraue, bedingungslos. Lass dich fallen, haltlos.


Mir ist egal, was andere über mich denken, denke ich und wünsche mir, meine Hose würde mir über die Knie reichen. Denke ich und blicke mich hektisch um, ob jemand gesehen hat, wie ich mir den Schweiß von der Stirn gewischt habe. Es ist mir egal. Denke ich und fürchte den Moment meiner Wiederkehr, wenn Leute die Kilos, die ich jetzt mehr auf den Rippen habe, kommentieren. Wenn sie sich das Maul zerreißen, Wortfetzen, die zu Boden fallen wie altes, zerrissenes Zeitungspapier. Es ist mir egal, denke ich und genehmige mir einen weiteren Löffel Erdnussbutter. Es ist mir egal, denke ich und ziehe verschämt die Bettdecke über meinen nackten Bauch, als er mich ansieht. Sehe vor meinen Augen mein Selbstbewusstsein in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus, das ich so geduldig aufgebaut habe. Und das Spiel beginnt von vorne.


Ich dachte, mir wäre egal, was andere über mich denken und merke, dass es nicht so ist. Denke und merke, wie gefangen ich doch bin in den Fängen unserer Gesellschaft. Freier Vogel im Käfig. Gitterstäbe, die sich scheinbar wie von selbst wieder rekonstruieren, egal wie oft ich sie schon durchbrochen habe. Ein Gerüst, das uns gefangen hält, uns am Fliegen hindert. Starr, unbeweglich. Wer diktiert denn, was Schönheit ist, was Begabung, was Talent? Wer sagt, was richtig ist, was falsch?

Mach dich nackt, mach dich verletzlich. Entblöße dich, zeig Haut, zeig Herz. Vertraue, bedingungslos. Lass dich fallen, haltlos.



Sieh mich an, sieh in den Spiegel. Wer bist du denn? Eine Puppe vielleicht, die dem Schönheitsideal dieser Gesellschaft entspricht. Makellos. Makellos und ohne Leben, unecht, aus Plastik. Mach Feuer. Und Plastik beginnt zu stinken. Wer bist du denn? Eine Marionette vielleicht, deren Fäden jemand anderes in der Hand behält. Perfekt, kontrolliert. Ferngesteuert. Lass das Feuer brennen und du wirst dich panisch in den Fäden verheddern, die Gesellschaft stranguliert dich. Wer bist du denn? Ein Schauspieler, der eine Rolle spielt, Clownsmaske, Grimasse. Lass das Feuer brennen und deine Maske wird fallen.

Zeig, wer du bist. Lass das Feuer brennen und dein Blick fängt an zu lodern. Leidenschaft. Zeig dein Talent, deine Andersartigkeit, deine Fehler. Schönheit kann man nicht messen und nicht wiegen, nicht in Schubladen stecken und betiteln. Schönheit ist, was echt ist, authentisch. Schön ist, wer echt ist, authentisch. Frei und ohne die Fesseln, die die Gesellschaft uns anzulegen versucht.

Du sagst, dir sei es egal, was andere über dich denken. Sagst es mit fester Stimme, und dennoch: Ich sehe die Zweifel in deinem Blick, Unsicherheit. Du glaubst an dich selbst und tust es nicht. Glaubst, dass das, was du tust, gut so ist, dir selbst entspricht. Und hast trotzdem Angst. Angst davor, verurteilt zu werden, in die falsche Schublade gesteckt zu werden. Die Leute reden sowieso, zerreißen sich das Maul. Zerreißen deine Arbeit, dein Aussehen, dein Verhalten in der Luft, wie Zeitungspapier, bis nur noch Wortfetzen übrig sind. Zünden es an, bis nur noch Asche übrig ist. Aber dein Feuer? Das brennt doch weiter, lodert und verbreitet Wärme, für die, die sich nah genug heranwagen, ohne Waffen, nackt.

Mach dich nackt, mach dich verletzlich. Entblöße dich, zeig Haut, zeig Herz. Vertraue, bedingungslos. Lass dich fallen, haltlos. Mach dich nackt, mach dich frei. Mach dich nicht klein.

Wovor hast du Angst? Ich habe Angst, nicht gemocht zu werden. Habe Angst, allein zu sein, kritisiert zu werden, ausgestoßen. Auch wenn ich immer behaupte, ich sei Einzelgängerin, Einzelkämpferin. Und doch, ich brauche sie, Anerkennung, brauche sie, die, die an mich glauben, wenn ich es selbst gerade nicht kann. Die mir den Rücken freihalten, wenn ich meine Hände zur Abwehr brauche. Die, die mir Halt geben, wenn ich meine Flugkünste überschätze und zu fallen drohe. Die, die mir die Wahrheit sagen, wenn ich mich selbst belüge. Ich brauche sie und brauche Anerkennung und Bestätigung und habe Angst. Angst davor, nicht dazuzugehören, nicht akzeptiert zu werden, Angst vor meiner Andersartigkeit. Bunter Vogel. Brauche mein Nest, in das ich zurückfliegen kann, wenn mir die Höhenluft den Atem nimmt, ich aus der Puste komme. Und ich habe Angst, dir nicht zu gefallen, dich zu enttäuschen. Habe Angst, dir zu vertrauen.

Mach dich nackt, mach dich verletzlich. Entblöße dich, zeig Haut, zeig Herz. Vertraue, bedingungslos. Lass dich fallen, haltlos. 

Ich spüre seinen Blick auf mir ruhen, wie er mir durch den Raum folgt. Meine Finger fangen an zu kribbeln und ich bekomme Gänsehaut. Der Tag neigt sich dem Ende zu, kurz vor 6. Die letzten schwachen Sonnenstrahlen werfen Licht auf den Staub im Zimmer, lassen ihn tanzen. Schatten legen sich wie ein Samtvorhang auf sein Gesicht und lassen seine Wimpern noch viel länger wirken als sie eh schon sind. Sein Mundwinkel zuckt und ich weiß, was er denkt. Ich weiß, was er will, als ich in seine Augen blicke und mich in deren Dunkelheit zu verirren drohe.

Es ist Nacht, die Schwärze scheint dichter als sonst, schwarze Tinte. Ich kann nicht einmal meine eigene Hand sehen, obwohl sie doch weiß ist. Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen und hoffe, dass es wenigstens in dieser Straße kein riesiges Schlagloch gibt. Auch die Stille scheint undurchdringlicher als sonst, ich höre nichts außer das Knirschen der Steine unter unseren Füßen. Und deinen Atem. Als ich stolpere, hast du schon längst nach meiner Hand gegriffen. Hältst mich fest, lässt mich nicht los. Und ich lasse mich fallen.


Mach dich nackt, mach dich verletzlich. Entblöße dich, zeig Haut, zeig Herz. Vertraue, bedingungslos. Lass dich fallen, haltlos. Freier Fall mit Aufwind. 







Yule

Photographer: Jacques Nkinzingabo



Donnerstag, 27. Oktober 2016

#juleimlanddertausendhügel – Zweite Eindrücke

Vielleicht es gut und wichtig, nicht mehr so geblendet zu sein vom besten Land Afrikas. Denn auch wenn die Sonne hier hoch im Zenit steht, fallen Schatten. Alles, was glänzt, muss erst einmal von jemandem poliert werden. Und die dreckigen Putztücher sammle ich nun auf, eines nach dem anderen, mühsam. Frust macht sich breit.


Dass ich keinen Plan mehr habe ist allgemein bekannt. Dass das aber meinen Fokus verschoben hat, ist neu. Interessant zu merken, dass sich neue Perspektiven auftun, einfach dadurch, dass ich keinen Fokus mehr habe, ihn verloren habe, auf dem Weg. Dass dieser nicht mehr sauber ist, nicht mehr asphaltiert, sondern staubig, roter Sand, wie die meisten Wege hier.


Noch nie war ich von Menschen so genervt. Außer vielleicht von Menschenmassen auf der Oxford Street an einem Samstagnachmittag, nicht wahr, Schwesterherz. Aber jetzt zu merken, dass dieses Interesse nur geheuchelt ist, dass ein anderes dahintersteckt, tut weh. Schon wieder verschlucke ich mich an meiner eigenen Naivität, zu süß war der Geschmack. Und wieder werde ich kälter, werde mir selbst einfach nehmen. Was wollt ihr denn? Mein Geld, einen Flug, meinen Körper, ein Versprechen, mein Versprechen? Sicher nicht meine Wahrheit, denn die ist nun einmal doch eine andere. Was will ich denn? Deine Kontakte, deine Zeit, dein Lachen. Deine Nähe, vielleicht. Vielleicht will ich auch nur meine Ruhe.


Jetzt muss ich diesen Frust zusammen mit meiner Naivität hinunterschlucken, um die nächste Stufe zu erreichen. Um gelassener zu werden oder gleichgültig. Es wird mir egal sein, ich weiß es. Und dann werde ich anders egoistisch sein als ihr, mir einfach nehmen, was ich will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Auch dein Herz?


Füße, die sich auf dem Trampelpfad vor mir bewegen. Leichtfüßig und barfüßig und dennoch, unendlich langsam. Auch wenn mir die Hitze zu schaffen macht, ich ständig stolpere, möchte ich doch vorankommen. Und nicht in diesem Tempo, schneller. Diese Langsamkeit macht mich aggressiv. Und das vermutlich nur, weil ich ungeduldig mit mir selbst bin.


Wozu denken? Wozu hinterfragen, reflektieren, kritisieren? Wozu leben?

Der Vergleich macht mich wütend. Kampala und Kigali, Kontrastprogramm. Natürlich ist Kampala größer. Und bunter, lebendiger, dreckiger, chaotischer, lauter, gefährlicher. Anstrengender? Oder ist es diese Stille, die ich in Kigali nun anstrengend finde, die Staubschicht die auf dieser sauberen Stadt liegt und sie umhüllt wie eine Glocke. Die Luft wird knapp in jeder Unterhaltung, auf jeder Party, bei jedem Blickwechsel. Selbst die Farben sind staubig, deine Augen auch.


Je länger ich hier lebe, desto wichtiger wird das, was wirklich wichtig ist. Freiheit. Was für ein Luxusgut. Ein Zustand, der so leicht einzuschränken und so schwer zu erreichen ist. Selbst ich, geboren in einem freien Land mit tausenden Möglichkeiten, frei in meiner Wahl, merke, wie die Gesellschaft mir Fesseln angelegt hat. Diese nach und nach zu durchtrennen fühlt sich paradoxerweise so an, als würde ich Perlen von meiner Lieblingskette abreißen. Nackter Hals, nackte Gedanken, verletzlich.


Und ja, fast vergessen: Freiheit findet vor allem in deinem Kopf statt.


Fast mechanisch nehme ich den Motohelm von meinem Kopf, drücke dem Fahrer einen zerknitterten Schein in die Hand und murmele ein Dankeschön auf Kinyarwanda. Sehe weder das überraschte Gesicht des Fahrers, noch die Rufe der anderen, noch die anzüglichen Blicke des Typen neben mir. Fast stolpere ich über einen Haufen toter Hühner, renne einen der unzähligen Handy-Guthaben-Verkäufer über den Haufen und bahne mir den Weg zu meiner Lieblingsschneiderin. Durchatmen. Stoffbahnen, bunt, in allen Farben mit den schönsten Mustern. In meinem Kopf entstehen 58 Ideen für ein Kleid und einen Rock und überhaupt einen kompletten Schrank voll neuer Kleidung. Ich überlege, was ich will und entscheide mich. Und nehme auf einmal wieder alles um mich herum wahr, Marktgeschrei, das Rattern der Nähmaschinen, die Hände von unzähligen Verkäufern an mir. Der Duft von Maracuja und Ananas vermischt sich mit dem Gestank von Frischfleisch in der Mittagshitze und mein gestresstes Gemüt lässt sich von meinem Grinsen ablösen. Beschwingt springe ich über den Hühnerhaufen zurück zum nächsten Moto und wundere mich, wie sehr doch alles von meiner Stimmung und meiner Perspektive abhängt, während der Trubel der Stadt an mir vorbeizieht.


Als wäre ich dein neues Handy, an dem du rumspielen kannst. Als wäre ich ein offener Geldbeutel, an dem du dich bedienen kannst. Als wäre ich ein Stück Ziegenfleisch, das du nach Lust und Laune zubereiten kannst. Widerlich. Ich bin weg, hast du ja gemerkt.


Diese Reaktionen machen mich wütend, definitiv. Als hätte nur ein Mann das Recht, so zu reden. Als hätte nur ein Mann das Recht, sich zu vergnügen. Als hätte nur ein Mann das Recht auf eigene Entscheidungen. Als hätte nur ein Mann das Recht, eine Frau anzuschreien. Blöd, dass ich so ein lautes Organ und so viel Wut in mir habe. Auf dich, auf diese Geschlechterkonstruktionen und diese Gesellschaft. Und auf mich, dass ich nicht souveräner damit umgehen kann.


Ich lasse mir nichts vorschreiben. Nicht von dir, der du meinst, du könntest mich zu einer Begrüßung zwingen, die ich nicht angemessen finde. Nicht von dir, der du meinst, du könntest es einfordern, mich zu kontrollieren. Nicht von dir, der du meinst, welches Essen und welcher Lebensstil gut für mich wären. Das weiß ich schon selbst. Oder weiß es nicht und flieg‘ auf die Fresse und schmecke Blut und lerne daraus. Vielleicht lerne ich ja sogar von dir. Aber nicht, weil du mich erziehst oder belehrst, sondern weil es das Leben tut.


Wahrscheinlich muss ich das hier gar nicht alles gut finden, muss es auch nicht verstehen, werde ich eh nie. Wahrscheinlich ist es genug, zu beobachten. Zu erkennen, zu kritisieren, zu hinterfragen. Es nicht zu verstehen und es dabei zu belassen. Wahrscheinlich ist das die größte Kunst: es dabei belassen, dabei gelassen bleiben, Akzeptanz, simpel und radikal. So weit bin ich noch nicht, er war schneller. Seine Souveränität fehlt mir noch, sein Umgang damit. Das kann ich definitiv lernen: den Kopf schütteln, grinsen über diese Andersartigeiten und weitergehen.


Das kann auch Spaß machen. Du starrst mich an, starrst mich an als wäre ich grün und nicht weiß, starrst mich an als hätte ich Taubenkacke auf der Stirn und Erdnüsse in der Nase. Und nun? Starre ich zurück. Starre zurück, verdrehe die Augen, ziehe eine Schnute und forme ein „U“ mit meiner Zunge. Und bringe dich damit zum Lachen, na geht doch. Mission erfüllt.


Schwarz ist nicht Weiß und Weiß nicht Schwarz und so viel ist dazwischen. Wir sind alles gleich und sind es nicht. Aber unser Lachen hat die gleiche Farbe, unser Lachen ist bunt. 


Jule

Freitag, 30. September 2016

Auf der Suche, immer noch. Immer noch nicht angekommen?

Er erzählt, schon eine ganze Weile. Ich höre zu, spiele gedankenverloren mir der Serviette auf dem Tisch vor mir und spüre fast nicht, wie mir Tränen in die Augen steigen. Woher dieser Druck? Er erzählt doch nur. Von seinem Leben, seinen Träumen, seinen Zielen. Was er erreichen, verändern will. Was er will. Und du, was willst du werden, wo willst du hin?

Ich weiß es nicht. Weiß nicht, was ich hier mache, was ich will und was ich bin. Wer ich bin. Bin auf der Suche. Wonach?

Er erzählt von seinen Plänen, lacht dabei, malt sie vor mir in die Luft zwischen uns, bunt und abstrakt. Und doch so real, so greifbar. Seine Augen leuchten, wenn er davon redet. Wenn er davon redet, wo er hinwill. Sein nächstes Projekt. Und dann das. Und das dann am besten so. Und er hat es verdient, mehr als jeder andere. Er hat dafür gekämpft.

Ich wohl auch, habe gekämpft, lange genug. Aber nicht für das, was ich will. Vielmehr für das, was mich daran gehindert hat, erkennen zu können, was ich will. Oder so. Ist das verständlich, ist das denn möglich?

Er schweigt. Sieht mir in die Augen. Schön sind sie, schokoladenbraun, aufmerksam, fragend. Wenn ich nur auch so lange, dunkle, fein geschwungene Wimpern hätte. Wieso blinzelt er nicht? Unruhig rutsche ich auf der unbequemen Holzbank hin und her, ziehe an meinem Rock herum, der ein wenig zu kurz ist für dieses Land. Ich starre angestrengt auf den frisch gepressten Saft am Nebentisch und versuche, der hellgelben Farbe einen Namen zu geben. Gesprenkeltesananasgelbimmorgenlicht. Jule, was willst du, was willst du tun, erreichen, sein?

Ich weiß es nicht, verdammt. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich keinen Plan. Planlos, orientierungslos. Lasse mich treiben und es ist wunderbar. Im Moment, in diesem Moment. Da schwimme ich einfach mit dem Strom und nehme alles mit. Treibgut, ohne Ballast. Aber auch ohne Ziel. Ich habe ein Steuer und kann es nicht benutzen. Habe Hände und kann nichts greifen. Habe Ideen und kann sie nicht fassen. Wohin damit, wohin mit mir?

Wir sind auf der Suche. Nach Abenteuern. Nach neuen Herausforderungen, Begegnungen, nach coolen Partybekanntschaften. Nach tiefen Freundschaften und nach leidenschaftlichen Nächten. Wir sind auf der Suche nach mehr. Nach mehr Spontaneität, Verrücktheit, Aufregung. Nach mehr Loslassen. Auf der Suche nach Wissen, nach Erfolg, nach Erfüllung. Auf der Suche nach uns selbst. Wir verlieren uns selbst auf der Suche nach uns selbst, sind ohne Kompass, orientierungslos. Planlos verplant. Wir verlieren unsere Werte auf der Suche nach Ekstase, geben uns hin, vergessen uns selbst. Und alle anderen. Egoist. Wir verlieren unsere Träume im Triebsand dieser Konsum-, in dieser Konkurrenzgesellschaft. Schneller, höher, weiter. Besser. Mehr.

Ich will mehr. Ich will mich nicht nur treiben lassen, nicht nur mit dem Strom schwimmen. Dagegen. Kämpfen. Für mich, für andere. Für Veränderung. Ich will, dass das, was ich mache, einen Sinn hat, dass meine Existenz einen Sinn hat. Ich will gegen die Strömung schwimmen und gegen den Strom, will gegen Wände laufen und daran hoch. Will fliegen lernen und andere beflügeln. Freiheitskampf.


Ich weiß, was ich will, jetzt brauche ich nur noch einen Plan. Ich geh‘ mal suchen. 

 Jule

Sonntag, 28. August 2016

#juleimlanddertausendhügel – Erste Eindrücke

Sonnenlicht kitzelt meine Nase, unterbricht meine bunten, wirren Träume mit hellen Pünktchen und lässt mich wach werden. 6:03 Uhr. Sonnenaufgang. Zu früh, viel zu früh. Verschlafen ziehe ich mir meine geliebte, so gar nicht peinliche Schlafmaske über die Augen und falle nochmal in einen leichten Schlaf. Fast schlafe ich zu lange, verheddere mich im Moskitonetz und springe unter die – eiskalte - Dusche. Immerhin bin ich jetzt wach. :)


Vom roten Sand verfärbte Schnürsenkel.

Socken, die nie wieder weiß werden.

Wind, der mir beim Moto fahren beinahe den schlecht sitzenden Helm vom Kopf reißt.

Staub, in den Haaren, im Gesicht, überall.

Sonne, in deinem Lächeln, deinen Augen, überall.


Dunkelheit, die sich wie ein Vorhang über – meist sogar geteerten – Straßen dieser Stadt legt. 18 Uhr. Als hätte jemand das Licht ausgeknipst. Ich weiß nicht, ob ich mich daran gewöhnen werde, dass die Dämmerung einfach übersprungen wird. Ich weiß nicht, ob ich mich daran gewöhnen werde, nachts durch die Straßen laufen zu können ohne Angst zu haben. Ich bin hier sicher, aber Sicherheit hat auch hier ihren Preis.


Avocados, die ohne Salz und Pfeffer schmecken. Bananen, die so süß sind, dass sie problemlos als Süßigkeiten durchgehen.

Lichtermeer. Wir gehen lachend aus dieser winzigen Bar, in der wir uns gerade mit den besten Kochbananen die Bäuche vollgeschlagen haben. Stockfinster ist es und unter uns liegt die Stadt, die aus unzähligen Sternen zu bestehen scheint. Wir versuchen, diesen seltsamen Zischlaut nachzuahmen, aber die Motos kommen auch so, zu auffällig sind unsere weißen Gesichter, zu verlockend die Aussicht, das Doppelte für eine Fahrt verlangen zu können. Kurzer Wortwechsel auf Kinyarwanda, Englisch und Französisch und ich schwinge mich auf das Moto, das den Berg hinunter mit mir ins Lichtermeer rast.


Komisch, dass ich gar keine Angst habe, mich nicht unsicher fühle, keine Zweifel habe. Das ist definitiv neu. Und fühlt sich definitiv gut an.

Ein bisschen Optimismus, Leichtsinn und Naivität hat noch niemandem geschadet.

Samosas und Chapati, so heiß, dass ich mir Finger und Mund verbrenne. Aber viel zu lecker, um zu warten.

Frauen, die die Straße kehren, unermüdlich. Es legt sich immer neuer Staub auf den Teer. Erinnert mich an Momo.


Ich habe noch nie so große Augen gesehen, denke ich mir, als ich gebannt an seinen Lippen hänge. Erzählen kann er. Überleben auch.

Ich merk‘ schon, ich werde hier schon wieder leichtsinnig. Aber es macht unglaublich viel Spaß. Und bei diesen tollen Menschen hier hab ich eh keine andere Wahl als komplett verrückt zu sein. :)


Dieser Satz, den ich jeden Tag mindestens fünf Mal höre. Ja, ich habe ein tolles Leben. Das ist mir bewusst, dafür bin ich dankbar, darum habe ich gekämpft.

Schwer zu durchschauen, was hier echt ist.


Blicke, fragend, beobachtend, stechend, belustigt, fordernd, fragend, neugierig. Und das nur, weil ich weiß bin.

Komplimente, ehrlich, verlogen, mit Absicht, ohne Hintergedanken, nett und kitschig, schön und lustig, lächerlich, schmeichelnd. Und das nur, weil ich weiß bin. Wer ist eine Ausnahme, ist er eine Ausnahme?


Als wäre ich ein Alien, ein Star, jemand, der nicht hierher gehört, jemand, der anders aussieht, anders behandelt werden muss, weil er anders ist?

Dieser ekelhaft hautfarbene Gecko, der auf einmal am Fenster sitzt und mir bei der Arbeit über die Schulter schaut. Diese ekelhaft schnelle Kakerlake, die sich zwischen Tee und Reis versteckt und einfach nicht zu fangen ist. Dieser unglaublich bunte Schmetterling, der Loopings über meinem Kopf dreht, während ich mit jedem Höhenmeter mehr aus der Puste gerate.

Wem kann ich hier trauen? Zumindest schon mal dem Leben, bedingungslos. Aber Menschen, diesen Menschen?



Es fühlt sich normal an, mit ihm hier zu sitzen und über Gott und die Welt zu reden, als würde ich schon seit langer Zeit hier leben, ihn seit langer Zeit schon kennen. Dabei müsste alles neu sein, schließlich hat sich so viel verändert. Vielleicht bin ich mittlerweile wirklich anpassungsfähiger, toleranter, noch lange nicht genug. 


Jule

Montag, 1. August 2016

Bunte Kiste: die vorerst letzte

Nostalgie. Zu viel, was war. Emotionen. Zu viel, was ist. Vorfreude. So viel, was noch kommt. Und ich bekomme nicht genug.


Gefreut über:
Die kleinen Dinge.

Geärgert über: Streit, Stress und Skrupel. Boshaftigkeit und Geldgier. Scheuklappen und festgefahrene Meinungen. Engstirnigkeit. Was wäre wenn.

Auszüge aus meinem Tagebuch:

„Wieso muss ich mich rechtfertigen? Für das, was ich tue und für das, was ich lasse? Für das, was ich denke und für das, was ich sage? Für das, wofür ich kämpfe, schweige, träume, bin? Das liegt doch nicht an mir, sondern an unserer verdrehten Gesellschaft."

„Ich will, dass er bereut.“

„Wohin mit all den Emotionen???“

„Fuck, zu viel Nostalgie. Die Farben vergilben sich ja schon vor meinen Augen, werden zu abgegriffenen Fotografien.“

„Ha. Ich habe einfach nie gelernt, vernünftig mit Stress umzugehen. Deswegen schwimme ich wohl gerade so. Aber untergehen werde ich nicht!“

„Vielleicht bin ich gar nicht so besonders.“

„Selbstzweifel, was ist das?“

„In Momenten wie diesen verabscheue ich meine Naivität. Reinfall, schon wieder. Und es ist ärgerlich, tut weh, schon wieder. Und wieder, immer noch bin ich naiv. Und wieder, immer noch kann ich mich freuen, begeistern, grenzenlos und pur. Echt. Und das nur, weil ich naiv bin.“

„Das ist wohl das Problem bei Hilfsbereitschaft: Dem Helfenden gibt sie Macht und bringt ihn in eine übergeordnete Position, dem Hilfsbedürftigen verpflichtet sie zu Dankbarkeit und mehr. So entsteht Abhängigkeit. Etwas, das auch mir eigentlich widerstrebt. Aber wie soll man auch ahnen können, dass  freiwillig angebotene Unterstützung zum Verhängnis und zum Vorwurf für die eigene Untätigkeit wird? Das sind doch falsch verknüpfte Bedingungen.“

„Andererseits kann Hilfe nie bedingungslos sein. Oder?“

„Und wieder: Ich bin außen vor.“

„Was soll der Geiz? Wir haben alle genug Gefühle. Vielleicht jedoch zu viel und einfach genug davon?“

„Dieser Sommer sollte anders werden. Sommer meines Lebens, lebe deinen Sommer, dein Leben, ja genau. Wie soll ich jemals alles nachholen? So intensiv kann ich doch gar nicht leben, um all‘ die verlorene Zeit aufzuholen. Oder?“

„Dann mache ich wohl wirklich alles allein. Rechtmachen kann ich es so oder so niemandem. Jule mit Bizeps, Ellenbogen und erhobener Faust. Sieht gar nicht mal so schlecht aus. :)“

„Oh, der süße Duft der Freiheit, viel zu verlockend ist er. Und aufdringlich. Aber gar nicht mehr so weit weg…“

Und der August?

Ich freue mich auf:

Meinen Abflug und das nächste Kapitel. Die nächsten Kapitel. Alles, was kommt. 


Jule