Montag, 13. Juli 2015

Aller Anfang ist schwer. Jedes Ende auch.

Und am Anfang war ein Blick. Ein Wort. Ein Bild. Und aus den Blicken wurden Berührungen, aus den Wörtern Sätze, ja Geschichten sogar, aus den Bildern wurde ein Film. Komödie, Romanze, Action, alles in einem. Drama. Ein Film, in dem ich Hauptdarstellerin war, aber nicht Regisseur. Ein Film, der mich überrascht hat, bewegt, mitgerissen. Der mich zerrissen hat. Der kein Happy End hat. Ein Film, der mehr Doku ist als Fantasy, der Realität ist, der das echte Leben zeigt. Und jetzt läuft der Abspann und ich bin nicht mehr Hauptdarstellerin. Bin auf dem Boden gelandet. Sitze da und schlucke, kämpfe mit allem, was offen geblieben ist. Wünsche mir, dass der Film nochmal anfängt, von vorne läuft, Neuanfang. Wünsche mir, dass er anders endet, dass er gar nicht endet, verdammt. Wünsche mir, dass dieses Ende nur das Ende eines Films ist und nicht das wirkliche, echte Ende dieser Geschichte, unserer Geschichte. Aber ja, das Leben ist kein Wunschkonzert. Ich sitze also hier und sehe dem Abspann zu, sehe all die Bilder an mir vorbeiziehen, versuche zu begreifen, dass sie sich jetzt in Erinnerungen verwandeln, Erinnerungen, die mit der Zeit vergilben und verblassen. Versuche zu verstehen, warum. Aber ich darf nicht sitzenbleiben, muss aufstehen, weitergehen. Der Abspann läuft, das letzte Bild geknipst, das Kapitel ist zu Ende. Kein Wort wird mehr gesagt, jedes weitere wäre zu viel, ich berühr‘ dich auch nicht mehr, versprochen. Und ich schließe meine Augen. Verschließe sie vielleicht vor der Wahrheit, vor der Realität. Möchte vielleicht ein bisschen weiterträumen, den Film ein bisschen weiterdrehen, anders. Aber ich muss aufhören. Aufhören und neu anfangen.


Gar nicht einfach, echt nicht. Jede Erfahrung, jede Reise, jede Geschichte hinterlässt Spuren. Deine Hände auf meiner Haut sowieso. Spuren im Herzen. Aber sie zurückverfolgen? Irrgarten, Umweg, Sackgasse. Vorwärts ist die richtige Richtung. Unklar, verschwommen ist der Weg. Und unsicher mein Gefühl. Ich blicke zurück und sehe all die Spuren, die dieses Land hinterlassen hat, die du hinterlassen hast. Habe Angst, dass sie verschwinden. Will sie in Stein gemeißelt haben, festhalten, mich vielleicht daran festhalten. Aber so komm‘ ich wohl nicht vorwärts.

Als würde ich neu laufen lernen, meine Beine gehorchen mir nicht. Ich stolpere, strauchele, falle. Wie anstrengend. Aber ich will gehen, laufen, rennen, hüpfen. Tanzen, durch Pfützen, Sommerregen und durch‘s Leben. Also versuche ich weiter, von neuem, von Anfang an. Immer wieder, immer wieder Neuanfang. Aufregend irgendwie. Unsicher, aber spannend. Hab ein neues Blatt vor mir, kann mir überlegen, wie ich es gestalte. Vielleicht male ich und such mir die Farben aus. Vielleicht schreib‘ ich erst mal nur ein Wort. Die Sätze kommen dann schon, die Geschichten auch, noch ungeschrieben. Die vergangenen Kapitel? Die beeinflussen vielleicht die kommenden, vielleicht haben sie auch nur einen Platz in diesem Buch, einen Platz in meinem Herzen. Gehören zu meiner Geschichte, die aus so vielen Farben besteht, dass bunt als Bezeichnung nicht ausreicht. So viele Farben, die nicht verblassen werden, weil sie in meiner Erinnerung lebendig bleiben. Wie ein Film, den ich abspielen kann, wenn ich mag. Aber jetzt nehm‘ ich erstmal eine neue Perspektive an und lass die Kamera laufen.

Dinge verändern sich, Situationen, Menschen. Sie verändern dich und deine Sichtweise. Perspektivwechsel. Du befindest dich in einer anderen Situation mit einer anderen Sichtweise, musst klarkommen. Orientierungslos. Du suchst nach Halt und findest in nicht in Dingen, Situationen, Menschen. Aber in dir. Schnitt, der Vorhang ist gefallen, das Licht geht aus. Ich sitze im Dunkeln und spüre das weiche Sitzpolster auf meiner Haut, spüre den Nachklang vom harten Schlag der Enttäuschung. Ein dumpfer Ton, Moll. Traurig, aber schön irgendwie. Es hätte ja auch hässlich enden können, vieles hätte kaputtgehen können. Aber vielleicht ist dieses Ende erst der Anfang. Keine Fortsetzung, keine Wiederholung, aber Neuanfang, neues Kapitel.

Meine Augen haben sich an das Dunkel gewöhnt, ich stehe auf, tapse umher. Suche den Lichtschalter, den Weg nach draußen. Und laufe los, fange ein neues Kapitel an.


Das Ende? Noch nicht in Sicht. Der Anfang? Wird jetzt geschrieben. 

Eure Jül

Mittwoch, 1. Juli 2015

Bunte Kiste: Juni 2015

Heimkommen und Wegfliegen. Auspacken und Einpacken. Ankommen und Aufbrechen. Abschied und Vorfreude. Reisefieber und Abenteuerlust. Äthiopien. Überraschung und Überforderung. Misstrauen und Gastfreundschaft. Lach- und Laberflashs. Ende und Neuanfang.


Gefreut über: Ankommen in der Heimat, eine Party im Regen, Zeit in der Sonne und am See, alte Freunde, das Sonnendeck, eine neue Frisur, den Start meiner Äthiopienreise, Wiedersehen, bunte Eindrücke und eine andere Kultur

Geärgert über: Packstress, zu wenig Platz im Rucksack, mein Navi im Handy und meine fehlende Orientierung, aufdringliche Leute, meine Grenzen und Erwartungen

Auszüge aus meinem (Reise-)Tagebuch:

Dieses Mal etwas ausführlicher, habe ich doch ziemlich viel erlebt und niedergeschrieben auf meiner Reise nach Äthiopien. Meine Erlebnisse sind noch ziemlich frisch und ungeordnet, deswegen passen die bunt zusammengewürfelten Auszüge ganz gut, um meine Reise zu dokumentieren:


„Und jetzt sitze ich also hier und warte, warte auf den Beginn meines Abenteuers. Komisch fühlt es sich an sitzen zu müssen, war ich doch die ganze letzte Woche in Bewegung, hin-und her, rastlos. Heimatlos. Hab mich hin- und hertreiben lassen vom Leben, von Menschen, war überall ein bisschen, aber irgendwie nicht bei mir. Jetzt muss ich warten und bin gezwungen, meinen Gedanken zu lauschen, die gehört werden wollen, die in den letzten Tagen nicht mehr waren als ein Hintergrundgeräusch, leise plätschernd wie ein Bach, immer da, Gedankenstrom. Jetzt tauche ich ein bisschen ein und merke, dass der Bach doch nicht ganz so ruhig ist. Vielmehr sprudeln meine Gedanken, spritzen, viele Tropfen, viele sind da, viele Gefühle, die ich nicht zuordnen kann.“


„Ja, ich freue mich auf diese Reise, hab‘ so lange darauf hingefiebert, ja teilweise darauf hingelebt, dass es sich in diesem Moment verdammt unwirklich anfühlt, anfühlt als wäre ich Zuschauer, der wartet, dass der Vorhang fällt. Dass die Anspannung abfällt und die Masken fallen. Aufregung, Kribbeln. (…) Fühl‘ mich nicht wie der Hauptakteur.“


„…Schwermut. Mut, der sich schwer anfühlt. Als wäre es jetzt, so kurz vor dem Abflug, anstrengend geworden Anlauf zu nehmen und Mut zu haben. Davonzufliegen, wo ich vielleicht gerade erst wieder dabei war anzukommen.“


„…Meine Gedanken sind mein Wegweiser. Gedankenfluss und ich schwimm‘ mit, mal schauen, wohin die Reise geht.“


„Bin also in Äthiopien angekommen, physisch zumindest. Hab‘ mich teilweise echt erschlagen, überfordert und vor allem hilflos gefühlt. Hab‘ gemerkt, dass ich mir noch so viel über dieses Land durchlesen kann, aber deswegen werd‘ ich mich in allem, was anders ist, den ganzen ungewohnten Situationen nicht sicherer fühlen. (…) Und es war nicht ganz leicht zu merken, dass ich allein total verloren wär‘. Dabei komm‘ ich gern allein klar, will allein klarkommen.“


„Ich glaube, ich mag das Chaos in meinem Kopf. Darf nur nicht versuchen zu ordnen. Eintauchen. Mitreißen lassen. Halt suchen und Orientierung finden. (…) Muss alles auf mich wirken lassen, Kontrolle abgeben und einfach untertauchen. Ab und zu Luft holen nicht vergessen.“


„Atmen, einfach weiteratmen. Von wegen ich mag das Chaos. Es überfordert mich, ich fühl mich fehl am Platz. Ich will eintauchen, gehe aber unter und werde hin-und hergerissen von all den Eindrücken, die auf mich hereinprasseln ohne anzuklopfen, ohne Schongang. Grell, bunt und schwarz.“


„…so unbeholfen. Fühlt sich verdammt scheiße an. Zu wissen, dass ich alleine nicht wieder auftauchen könnte, untergehen würde. Dass ich so schnell an meine Grenzen stoße und (noch) unfähig bin, sie zu überwinden. Dass ich so sensibel und empfindlich bin, überempfindlich. Überreizt, Reizüberflutung. Schnell, grell und krasse Kontraste. Ja, das wollte ich, will ich immer noch. Den Filter ablegen und die Sonnenbrille absetzen – hab' meine eh verloren. Aber das blendet, verdammt.“


„Bin misstrauisch. Irgendwie hab‘ ich echt irgendwann angefangen, mich auf das Schlechte gefasst zu machen, Katastrophenvorstellung. Hab‘ Angst enttäuscht zu werden, nicht nur von dieser Reise, von diesem Land, auch vom Leben. Aber so steh‘ ich mir irgendwie selbst im Weg, verbau mir selbst den Weg zu allem Schönen. Steh‘ vor meinen eigenen Türen und verschließe sie, verschließe sie doppelt. Weiß‘ ja nicht, welche die richtige Tür ist. Was dahinter liegt. Ob sie hinter mir in’s Schloss fällt und ob ich wieder zurück könnte. Aber ist es jetzt nicht eh schon zu spät? Ich mach‘ mich mal auf die Suche nach dem Notausgang.“

„Hm. Ich weiß mal wieder nicht, wie es mir geht, was das alles mit mir macht. Es verändert mich, so viel steht fest. Aber wie? Keine Ahnung, das ist nicht greifbar, kann nichts festhalten. (…) Ich komm‘ mir vor wie ein Sprungball, der hin- und hergeworfen wird, zu schnell. Zwischen Aufprall und in der Luft. Mir gefällt es irgendwie, von diesen ganzen Eindrücken hin- und hergeworfen, wachgerüttelt zu werden. Aber nicht von Menschen und meinen Gefühlen. Bin ein Spielball in diesem Chaos: Schuhputzer, Matratzen, Tiere auf den Straßen, Stromausfall. Musik und Tanz, Bewegung, Hektik. Kinder, die viel zu jung arbeiten und Frauen, die viel zu schwer tragen. Löcher in den Straßen und Schmutz in der Luft. Bin aber auch ein Spielball in diesem Gefühlschaos. Ich will Kontrolle. Oder zumindest Sicherheit. Klarheit.“


„Ich komme langsam klar mit dem Chaos, bin nicht mehr ganz so verloren. Muss‘ einfach ein bisschen auf mich vertrauen und mich darauf einlassen.“


„Extreme, hin-und her, nichts dazwischen. So viel Raum dazwischen, zwischen uns, unüberwindbar, Scheinbar?“


„Staubig alles, schmutzig. Schmetterlinge, kurz vor’m Regen, schön irgendwie.“


„Wie naiv von mir zu glauben, nichts hätte sich verändert. Viel zu viel Zeit liegt dazwischen. Zeit, die verändert hat. Zeit, die schnell vergangen, aber mit so viel Unausgesprochenem gefüllt ist, dass sie sich jetzt wie ein Wattebausch anfühlt. Gedämpfte Gedanken, Schweigen.“


„Busfahrt nach Woldiya. Landschaft, die an mir vorbeizieht, Berge, Täler, Flussbetten. Affen und Dromedare. Und Erinnerungen, alte Bilder, die so unwirklich scheinen jetzt, so als wären sie nie echt gewesen. (…)“


„Viele Leute meinen es wirklich nicht ehrlich, reden uns an, weil wir weiß sind und weil sie sich etwas erhoffen, sind nett zu uns, weil sie ‘ne Gegenleistung erwarten. Man kann natürlich abblocken, alles konsequent ablehnen, sich auf kein Gespräch einlassen. Ist natürlich auch ein Weg, vermutlich der einfachste, um sich zu schützen. Aber der richtige? Gibt es da überhaupt richtig oder falsch? Verdammt schwierig. Man kann ja nicht immer nur misstrauisch sein. Aber naiv sollte man auch nicht sein. Schließt das eine das andere aus?“


„Bin gerade aufgewacht und irgendwie passt alles so wie es im Moment ist. Bin in den letzten Tagen an so viele Grenzen gestoßen, körperlich und geistig, so viele Mauern, die mich eingeschränkt haben, die ich niederreißen wollte, aber nicht konnte. Und jetzt bin ich weiter, bin dabei zu akzeptieren, dass mansche Mauern einfach da sind, um mich zu beschützen. Habe verstanden, dass ich nicht jede Mauer niederreißen, nicht jede Grenze überschreiten muss und dass ich trotzdem vorwärts komme.“


„Ok, hab’s anscheinend doch noch nicht verstanden, kann meine Erkenntnis nicht umsetzen. Diese Wanderung hat mich an meine Grenzen gebracht, vor allem körperlich. Ohne Witz, ich hab‘ schon lange nicht mehr so was Anstrengendes gemacht. Das lag natürlich an mir und nicht an daran, dass ich 7-stündige Wanderungen auf 3200m Höhe schlichtweg nicht gewohnt bin. Ich wollte mir selbst keine Schwäche eingestehen, wollte die Stärke spielen. Hallo altes Muster: es geht schon noch, muss noch gehen, muss noch weiter gehen, höher, schneller, besser. Meine Grenzen? Kann ich schon mal ignorieren.“


„Mehrere Autos und Trucks sind an uns vorbeigefahren mit vielen Menschen auf der Ladefläche, die uns angegafft haben als wären sie auf Safari und wir exotische Tiere.“

„Das ist also der bittere Nachgeschmack.“


„Alter Jule, hör doch mal auf so sentimental zu sein. Setz einfach einen Punkt dahinter, Schlusspunkt. Es gibt keine Fortsetzung, Ausrufezeichen.“


„Und wieder packe ich meine Koffer. Hallo Straßburg, du bist also mein neues Zuhause für die nächsten 2 Monate…mal schauen, was du für mich bereithältst. Ich fühl‘ mich zwar nicht bereit, aber wird schon werden. Ich vertraue halt einfach mal wieder in das Leben, es kann ja nichts dafür, dass es manchmal so ist wie es ist.“


Nachdem ich all das abgetippt habe, fällt mir auf, dass sehr viel eher negativ klingt :D meistens schreibe ich nun mal, wenn mir das Schreiben helfen soll klarzukommen, Dinge klarer zu sehen. Die schönen Erlebnisse? Die halte ich meist nur in einzelnen Wörtern fest, oder in Bildern. Und davon gab es jede Menge, ich hoffe, das wird ersichtlich! Abgesehen von allem, was mich überfordert hat, hab' ich auch viel gesehen und erlebt, was mich fasziniert, begeistert, umgeworfen hat. Die Sprache verschlagen und den Atem geraubt hat, nicht nur auf 3200m Höhe ;)


Und der Juli?


Ich freue mich auf: Sommer und Sonne in Straßburg, neue Leute und neue Aufgaben, Neuanfang überhaupt, Ablenkung und den Abiball von Schwesterherz :)

Jule

Montag, 1. Juni 2015

Bunte Kiste: Mai 2015

Bunte Kiste: Mai 2015

Stress und Entspannung. Ferien und Freiheit. Nostalgie und Vorfreude. Abschied und Wiedersehen.


Gefreut über: das Ende der Prüfungen, Tanzen, neue Bekanntschaften, meinen Zauberstab, Seeausflug, Wanderausflug mit Schwesterherz und Mum inklusive Trampen, ein paar Tage Bordeaux, Festivalstimmung, Party und Paragliding mit den besten Mitbewohnerinnen, unser Glück mit Covoiturage – schon wieder :) und einen Brief von Vicky <3

Geärgert über: Prüfungsstress, zu wenig Zeit mit neuen Bekanntschaften, schlaflose Nächte, Fernbusse natürlich, Heuschnupfen und Packen

Auszüge aus meinem Tagebuch:

„…und es wird auch alles gut werden. Brauch nur Zeit.“

„Öfter mal Zeit mit mir, nur mit mir. Mit niemandem sonst. Raum schaffen. Für Gedanken und Werke. Kreativitätsfluss, Ideenanfall.“

„Deine Fantasie, Bilder, die in deinem Kopf entstehen. Das ist das Mächtigste, was du hast.“

„So viele Dinge, die ich zurücklasse, Erinnerungen vor allem. An Momente, schöne Momente, die ich hoffentlich nie vergessen werde. Und weniger schöne, die mich geprägt haben, mich an meine Grenzen gebracht haben und darüber hinaus. (...) Erinnerungen an eine Stadt, die ich komischerweise in's Herz geschlossen hab'."

„Das ist also das Ende des Kapitels. So viel Geschriebenes, so viel zwischen den Zeilen. Kann noch nicht umschlagen, noch nicht weiterschreiben. Will zurückblättern, ein bisschen lesen, mich ein bisschen in den Bildern verlieren bevor sie anfangen zu verblassen. Das Beste kommt immer zum Schluss, sagt man. Aber genau dann gehen, genau dann den Schlusspunkt setzen? (…) Als ob auf meiner Stirn stehen würde: Hallo cooler Mensch, lern mich bitte jetzt kennen, ich bin nämlich nur noch ‘ne Woche im Land! Aber dann sind das vielleicht auch drei Punkte und vielleicht ist der Schluss noch nicht das Ende. Vielleicht gibt es eine Fortsetzung, vielleicht einen Neuanfang. Ungewiss. Aber bin neugierig, deswegen blättere ich um und fange eine neue Seite an, ein neues Kapitel.“



Und der Juni?

Ich freue mich auf: Wiedersehen, große und kleine. Und auf dieses Abenteuer. 

Jule

Montag, 18. Mai 2015

Spring ab!

Ja, quasi mein Credo vom letzten Post. Hab mir selbst Mut zugesprochen, will mich öfter trauen, auf’s Leben vertrauen, auf mich. Mich in die Ungewissheit stürzen und haltlos fallen, die Illusion von Sicherheit über Bord werfen und springen.


Und ich bin gesprungen und geflogen und ausnahmsweise nicht im übertragenen Sinne. Nein, heute fand die besagte Endaktion der heißen WG statt, das heißt ich bin mit meinen drei Mitbewohnerinnen auf den Gipfel des Puy de Dôme gewandert, um dort nicht nur die Aussicht zu genießen, sondern um abzuspringen, uns noch höher tragen zu lassen und zu fliegen. Paragliding. Kribbeln im Bauch, Grinsen auf dem Gesicht, Luft in den Lungen und Wind um den Ohren. Ich schaue nach unten, sehe Wälder und Felder, Wiesen, Täler und Berge. Sehe diese Stadt, die ich irgendwie in’s Herz geschlossen habe. Grün mit gelben Tupfen, Löwenzahn vielleicht. Ich hänge in der Luft und schwebe, habe keinen Halt und fühle mich sicher. Der Schirm trägt mich und der hinter mir weiß schon, was er tut. Es ist so still hier oben, angenehm, ich höre nur den Wind, kühl streift er mein erhitztes Gesicht und er trägt mich, kraftvoll. Spielt mit mir und dem Schirm, lässt ihn ein bisschen hüpfen und mein Herz klopfen. Adrenalin, ja ein bisschen. Und ich muss lachen, so schön ist das.



Ich will nochmal. Mich nochmal trauen, nochmal springen. Schweben, Gleitflug, höher noch. Auch im übertragenen Sinne. Es gibt keine Sicherheit und keinen Halt, alles ist Risiko, Leben ist Risiko. Aber wieso immer auf Nummer sicher gehen, wenn man so viele Möglichkeiten hast? Warum nicht einfach mal loslassen und abspringen und schauen, was passiert? Vielleicht fliegst du ja. Vielleicht fällst du. Und wirst aufgefangen, vom Leben. Ein bisschen freier Fall fühlt sich gut an, haltlos, schnell, aufregend. Und wenn es zu schnell geht, kann man immer noch die Reißleine ziehen, immer zurück. Wieder auf den Boden, Halt suchen. Und wieder springen, immer wieder, immer weiter. 

Eure Jül

Sonntag, 17. Mai 2015

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit...

…in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Worte aus einem Liedtext von Silbermond, der Erinnerungen wachruft und Worte, die mir gerade durch den Kopf gehen, mich am Schlafen hindern. Ich hätte gern eine Garantie, am besten ohne Verfallsdatum. Ich hätte gern eine Garantie, dass schon alles gut wird. Dass ich auf dem richtigen Weg bin, die richtigen Entscheidungen treffe. Dass ich meine Sache gut mache, dass ich die richtigen Sachen mache. Dass es sich lohnt, weiterzugehen, Mut zu haben, zu springen, in’s kalte Wasser und in unbekannte Seen. Dass es sich lohnt, dieses Risiko einzugehen, jeden Tag irgendein Risiko einzugehen. Aber es gibt keine Garantie und auch keine Sicherheit. Zu viele Wagnisse und zu wenig Mut, diese einzugehen. Zu springen. Und oft fühlt es sich gut an, freier Fall, fliegen fast.

Es gibt Menschen, die haben anscheinend irgendwo eine Quelle entdeckt, an der sie Mut schöpfen können, tonnenweise. Die permanent springen können, in’s Ungewisse, die scheinbar keine Sicherheit brauchen. Ich gehöre nicht dazu und ich habe auch noch keinen Ort gefunden, an dem der Rohstoff Mut unerschöpflich ist. Ich brauche Halt und ich brauche Sicherheit, brauche die Gewissheit, die mir niemand geben kann. Ich bin beruhigt, wenn ich weiß, was heute noch passiert, was auf mich zukommt, worauf ich mich einstellen muss. Was morgen auf mich wartet. Was ich tun werde und wann und was andere Menschen tun werden. Dann weiß ich was, passiert und kann mich darauf vorbereiten. Innerlich und äußerlich.

Aber weiß ich, was passiert? Menschen sind keine Maschinen und das Leben ist unberechenbar, macht manchmal komische Dinge, überrascht und enttäuscht. Das Leben enttäuscht vor allem dann, wenn ich etwas ganz Bestimmtes erwarte, mir etwas ganz Bestimmtes erhoffe, mir alles in rot und gelb ausmale und mit Blumen ausschmücke. Und dann kommt alles ganz anders, alles ist orange und lila und ohne Blumen und ich bin enttäuscht. Weil meine Vorstellungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Weil ich mir zu viele Details vorgezeichnet hatte, nicht mit Bleistift, nicht auszuradieren. Weil ich wissen wollte, was passiert, Sicherheit wollte. Aber was passiert, wenn ich nicht weiß, was passiert?

Dann bin ich vielleicht nervös, aufgeregt. Habe Angst vor dieser Ungewissheit. Kann mich an nichts und niemanden klammern, kann mich nur selbst festhalten, mir selbst Halt geben. Auf mich selbst vertrauen und darauf, dass ich klarkomme mit dem, was kommt. Dass mich das, was kommt, nicht erstickt. Vielleicht raubt es mir den Atem, macht mich sprachlos, lässt mich vergessen zu atmen. Aber dann füllt es mich vielleicht aus, gibt mir neue Luft zum Atmen. Vielleicht ist diese Ungewissheit schön. Weil alles möglich ist, weil es keine Grenzen gibt, alles kann passieren, alles kann anders passieren, nichts ist beständig, nichts ist kalkuliert. Weil ich mich auf alles freuen kann, weil es keine Erwartungen gibt, alles kann ich wollen und alles kann sich verändern, nichts schränkt mich ein, nichts ist berechnet. Unberechenbar, Abenteuer.

Und dann bin ich vielleicht mutig und trau mich, lass‘ ich ein auf diese Ungewissheit, lass‘ mich mitreißen von orange und lila, lass mir die Sicht vernebeln und sehe Dinge klarer, sehe Neues und finde es schön. Dann lass‘ ich mich ein auf diese Ungewissheit, habe keine Garantie, brauche sie nicht. Brauche nur Mut. Dann find‘ ich vielleicht die Sicherheit in der Unsicherheit, bin mir selbst sicher und finde Halt im Sprung, im Gefühl, Mut zu haben, in’s kalte Wasser zu springen und glücklich wieder aufzutauchen, Wasser zu schlucken und Glück zu schmecken. Sich verschlucken und Luft holen. Anlauf nehmen, springen und fliegen. 

Gib mir ein kleines bisschen Mut, in einer Welt, in der man ihn braucht. Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas, das bleibt. 

Eure Jül

Samstag, 9. Mai 2015

Öfter mal…Zeit für mich und Zeit mit mir

Eigentlich wollte ich ein paar sinnvolle Sätze zum Thema Entspannung bilden, weil ich gerade NICHT entspannt bin. Genau deswegen wohl sträuben sich meine ausgewählten Wörter, wollen keinen Sinn ergeben. Vermutlich muss ich etwas ändern, mal wieder. Muss lernen, mich zu entspannen. Nur wie? Wie, wenn man jede Woche 4 Prüfungen hat und sich nicht imstande fühlt, tonnenweise Infos zu lesen, zu lernen. Zu merken??? Wie, wenn man nicht mal Zeit hat, soziale Kontakte zu pflegen? Wie, wenn meine Ansprüche an mich nicht von mir weichen wollen, obwohl mein Verstand mir etwas anderes sagt? Nicht nur mein Verstand, der ja auch nicht immer Recht hat, sondern ebenso der Rest meines Ichs fordert Ruhe, Entspannung, Gelassenheit. So wenig Schlaf ich brauche und so gern ich Kaffee trinke, es reicht. Muss nicht immer an’s Limit, darüber hinaus, über’s Ziel schießen, übertreiben. Muss an mich denken. Und Zeit mit mir verbringen, so wie es auf meiner Liste mit den Vorsätzen für 2015 steht. Wie es halt so ist, wurde die vernachlässigt und liegt irgendwo in meinem Chaos. Also, Vorsatz-Liste rausgekramt und To-Do-Liste verbannt und ja, ich hatte gar keine schlechten Ideen für dieses Jahr. Für Veränderungen. Ideen, die ich umsetzen wollte, auch angefangen hatte umzusetzen, aber wo mir das Durchhaltevermögen gefehlt hat, die Disziplin, die Motivation. Veränderungen brauchen Zeit, ich weiß, und nur weil ich mich vielleicht in einer Durststrecke befinde, heißt das nicht, dass ich meine Ziele aus den Augen verloren habe. Oder dass ich nichts geschafft habe. Punkt 1 auf der Liste heißt Yoga. Und das habe ich gemacht, mache ich weiterhin. Nicht jeden Tag, aber jede Woche, jede Woche manchmal mehrmals. Punkt 2? Einen Blog erstellen. Mehr muss ich wohl nicht dazu schreiben :)

Punkt 3? Selfie-Abende, jede Woche mindestens einen. Das Prinzip ist das Folgende: Ich suche mir einen Abend der kommenden Woche aus, der reserviert ist. Für mich, für meine Lieblingsbeschäftigungen, für meine Gedanken. Den ich verteidige, an dem ich mir nichts anderes vornehme, an dem ich einen festen Termin mit mir selbst habe. Und nicht, um bescheuerte Serien und noch bescheuertere Videos anzuschauen, auch nicht, um zu telefonieren und zu skypen. Sondern um mich mit mir selbst zu beschäftigen, mich mit dem zu beschäftigen, was mich beschäftigt. Denken und Nicht-Denken also. Entspannen. Wörter, die sich in meinem Kopf ansammeln auf’s Papier bringen. Oder Wörter in Formen und Farben umwandeln und drauf los malen. Zeichnen. Lesen, Meditieren, Yoga. Dinge, die mir guttun und für die ich mir zu selten Zeit nehme, die ich vernachlässige, sobald ich Stress habe. Dabei würden mir diese Dinge helfen, mein Stresslevel zu senken. Also? Dieses Wochenende einen Selfie-Abend, an dem ich ein bisschen male, ein bisschen lese und ein bisschen schreibe, dann habt auch ihr wieder mehr zu lesen. Und dann lasse ich mich in dieser Prüfungsphase ein bisschen inspirieren von schlauen Menschen, die tolle Bücher geschrieben haben, von der Vielfalt der Farben, von meinen Gedanken, die sich manchmal selbstständig machen, um ihre eigenen Wege zu gehen. Denen werde ich folgen, mich auf Spurensuche begeben und schauen, wohin mich die Reise führt. Ich schalte meinen Computer aus, ignoriere mein Handy und lass‘ mich von meinen Gedanken ein bisschen forttragen, ein bisschen Traumreise. 

Ich brauch‘ ein bisschen Zeit für mich, um Platz zu schaffen. Nein, ich werde in meiner Selfie-Zeit nicht mein Zimmer aufräumen, vielmehr meinen Kopf. Meine Gedanken sortieren, um Platz für neue Gedanken zu schaffen, Raum für Fantasie und Orte für kreatives Chaos. Verstaubte Denkmuster aussortieren, Eindrücke neu anordnen oder ungeordnet lassen, Neues entstehen lassen. Ich brauch‘ ein bisschen Zeit für mich, um mich ein bisschen mehr zu finden. Nimm dir ein bisschen Zeit für dich, um Ideen zu sammeln, um zu genießen, was du denkst und was du hast. Lass deine Ideen in dir wachsen bis Bäume daraus werden, die grüne Blätter tragen oder Blumen, die sich der Sonne zuwenden. Und dann kann man sich auch wieder mit der Außenwelt verbinden, um der Welt all‘ die bunten Ideen zu zeigen :)


Eure Jül

Freitag, 1. Mai 2015

Bunte Kiste: April 2015

Reisen und ankommen. Auf dem Weg und unterwegs sein. Hoffen und Erwachen.


Gefreut über: das Wiedersehen mit Ramona, unser Glück mit Covoiturage, Gastfreundschaft und Herzlichkeit im Süden, Entspannung und meinen Yoga-Kurs, wunderbare Ferientage und Points de vue

Geärgert über: meine komplizierten Gedankenkonstruktionen, Elefanten im Porzellanladen, eine leidige Dissertation, meine Tierhaarallergie, die Verfilmung von Insurgent und einen Blackout

Auszüge aus meinem Tagebuch:

„…aber he, manchmal muss man eben riskieren, was wagen. Sonst lebt man vielleicht, ist aber nicht lebendig, die Welt ist so bunt. Und ich will nicht nur die Pastellfarben sehen, sondern auch die Mischfarben, die hässlichbraun und nicht schön anzuschauen sind. Ich will die ganze Palette, nicht nur schwarz & weiß.“

„Und es regnet, es regnet in Strömen. Endlich. Endlich fallen die Tropfen, zuerst nur zaghaft zögernd. Wie Sandkörner, die Klavier spielen, leise. Immer lauter, immer dröhnender. Die Tropfen prasseln und hämmern, schlagen auf dem Boden auf und werden von ihm zurückgeworfen. Wasser spritzt, der Damm ist gebrochen. Endlich. Viel zu viel hatte sich aufgestaut, viel zu groß ist der Druck geworden. (…)“

„…bin gern am Rand. Außenseiter. Oder einfach anders. Besonders? Ich nehm‘ die Dinge anders wahr, sehe Dinge, die ihr nicht seht, die dazwischen liegen und dazwischen fliegen.“

„Wellen, die kommen und gehen. Wellen, weich und warm, die meine Füße umspielen, meine Zehen kitzeln und an meinen Gedanken ziehen. Lass los, denke ich mir, lass sie ziehen. Lass dich treiben und schwimm mit. So einfach ist es nicht immer, soll es nicht sein. Schwimm auch mal gegen den Strom, kämpfe gegen die Masse, gegen die Wellen. Sei anders, sei am Rand. Nimm eine andere Perspektive ein, betrachte die Dinge von unten, von oben. Denke quer und denke nichts.“

„Meer. Ich will mehr davon, will, dass die salzige Luft meine schweren Gedanken vertreibt, sie leicht macht, sie mitnimmt auf eine Reise, die mich sie vergessen lässt. Mich vergessen, und sei es auch nur für einen Moment. Einen Moment blinzeln, den Sand aus den Augen reiben und vergessen, wer ich vielleicht bin, wer ich vielleicht sein könnte.“

- Bild mit der besseren Kamera der besten Reisepartnerin Vicky- 

Und der Mai?

Ich freue mich auf: das Ende der Prüfungen, die letzte Party und die lang geplante Endaktion der heißesten WG, Fauve mit Olga und Placebo mit Schwesterherz, Wiedersehen und daheim <3 

Jule